Gesprächsprotokoll vom 25.1.12 im Rathaus Ismaning

Teilnehmer:

Dr. Baumann, Bauingenieur (u.a. mit U-Bahnbau in München befasst), ehemaliger Stadtrat und langjähriger 2. Bürgermeister der Gemeinde Ismaning, Mitbegründer der Bürgerinitiative für einen S-Bahntunnel in Ismaning im Zusammenhang mit dem Ausbau der S-Bahn bis zum Flughafen

Hans Haberstetter
Doris Minet
Hans Waxenberger
Josef Jung
Achim Steiger

Herr Baumann schilderte den Werdegang von den ursprünglichen S-Bahn-Planungen in Ismaning im Zusammenhang mit dem Weiterbau der S-Bahn bis zum Flughafen im Erdinger Moos über die Gründung der Bürgerinitiative für die Errichtung eines S-Bahn-Tunnels bis zu dessen Fertigstellung.

An sich war die Planung für die S-Bahn bereits 1975 beendet und planfestgestellt. Durch den zwischenzeitlichen Baustop am Flughafen verfiel jedoch das Baurecht aufgrund des bereits vorliegenden Planfeststellungsbeschlusses.

1985 gründete sich schließlich eine Bürgerinitiative die sich zugunsten einer Tunnellösung aussprach. Diese zeigte einerseits die Nachteile für die Gemeinde Ismaning auf, die sich durch einen ebenerdigen Ausbau ergeben hätten und verwies auf die erheblichen Vorteile, die sich durch eine Tunnellösung ergaben.

Aufgrund der eigenen Sachkunde von Herrn Dr. Baumann konnte dieser selbst Planskizzen entwerfen und den Bürgermeister, sowie die planende Bahn damit konfrontieren. Die Bahn lehnte die Planungen als nicht finanzierbar ab und nannte Kosten in Höhe von 250 Mio. DM.

Auch die Gemeindeführung nebst den größten Fraktionen von SPD und CSU war gegen eine Tunnellösung. Als Gegenargumente wurden ebenfalls die anfallenden Kosten, sowie die fehlende Notwendigkeit für ein derartig aufwendiges Projekt angeführt.

Hierauf wurden von der BI über 7000 Unterschriften gesammelt und in der Bürgerversammlung vom 06.01.1987, zu der mehr als 400 Bürgerinnen und Bürger gekommen waren wurde mit Vehemenz die Tunnellösung vertreten. Es kam schließlich in der Bürgerversammlung zu einer Abstimmung (Bürgerbegehren gab es noch nicht), bei der sich die große Mehrheit der Anwesenden für die Tunnellösung aussprach.

Durch eigene Planungen unabhängiger Gutachter gelang schließlich der Nachweis, dass die Gesamtkosten für den S-Bahn-Bau in Ismaning 60 Mio. DM betragen, also nur ca.¼ des von der Bahn veranschlagten Betrages. Hiervon entfielen 30 Mio. DM auf die Mehrkosten durch die angestrebte Tunnellösung.

Die Bürgerinitiative hatte zwischenzeitlich auch erhebliche Spendengelder gesammelt, um notfalls auch gerichtlich gegen einen Planfeststellungsbeschluss vorgehen zu können, falls dieser den erklärten Willen Ismanings nicht berücksichtigt hätte.

Auch die Landwirte und die Jagdgenossenschaft standen auf der Seite der Bürgerinitiative.

Die Bahn und die Regierung waren zwischenzeitlich unter erheblichem Zeitdruck, aufgrund der Notwendigkeit der rechtzeitigen Fertigstellung der Flughafen-S-Bahn.

Schließlich räumte die Bahn ein, dass die ursprünglich deutlich höher angesetzten Kosten nicht erforderlich seien und die Regierung gab auf den Druck der BI ebenfalls nach. So konnte die angestrebte Tunnellösung letztlich erreicht werden.

Bei den Kosten von 30 Mio. DM kam Ismaning letztlich in den Genuss erheblicher Fördergelder. Letztlich musste Ismaning nur 2 Mio. DM selbst zahlen. Weitere ca. 1,2 Mio. DM kamen dann nochmals dazu für die Abgabe der Erhaltungslast an die Bahn.

Der S-Bahn-Tunnel bietet seither nicht nur einen erheblichen Lärmschutz für Ismaning, sondern auch erhebliche Vorteile bei querenden Verkehrswegen und aus städtebaulichen Gründen.

Der einige Jahre später in Unterföhring gebaute S-Bahn-Tunnel war im Gegensatz zur Lösung in Ismaning erheblich teurer, da er neben dem laufenden Verkehr auf nur sehr geringem Raum gebaut werden musste.

Herr Dr. Baumann wies ferner darauf hin, dass der Kostenunterschied zwischen Troglösung und Tunnel nicht unbedingt groß sein muss, da im Falle Ismanings der ansonsten im Untergrund zu verbauende Beton, der einen grundwasserbedingten Auftrieb des Objektes verhindern sollte sozusagen alternativ auf dem Bauwerk verbaut wurde.

Wesentlich sei seiner Meinung nach ferner der Kontakt zu unabhängigen Ingenieurbüros, um mit fundierten Gutachten in die „Auseinandersetzung“ mit Bahn und Politik gehen zu können.

Herr Dr. Baumann versprach zu versuchen einen Kontakt mit dem Ingenieurbüro Schmitt Stumpf Fruehauf in München herzustellen ( www.ssf-ing.de ), das er in diesem Zusammenhang empfehlen könne. Er wollte sich diesbezüglich nochmals telefonisch melden.

Zusammenfassend blieb festzuhalten, dass der Weg zum Tunnel lang und beschwerlich war und hiermit erheblicher persönlicher Einsatz erforderlich war, um die – sachlich letztlich nicht begründeten – Widerstände bei Bahn und Politik zu brechen. Dieser Einsatz hat sich jedoch für Ismaning mehr als gelohnt.

 

Aktuell haben wir

3477

Unterstützer

Das droht Dorfen!

  • B15/Bahn - Klicken für Vorher/Nachher-Vergleich
  • Bahndamm - Klicken für Vorher/Nachher-Vergleich
  • Bahnhof - Klicken für Vorher/Nachher-Vergleich
  • Birkenallee - Klicken für Vorher/Nachher-Vergleich
  • Kloster Moosen - Klicken für Vorher/Nachher-Vergleich
  • Kloster Moosen - Klicken für Vorher/Nachher-Vergleich